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Mit Anthrax / Eisbrecher / Cradle Of Filth und vielen mehr ...
1. – 3. 08.2019

(Foto-Credit: Gernot Kienast)


 


Interview mit Wipe Out
Redakteur: Roman Golub

 


Wipe Out stammen aus Österreich und bestehen aus Didi Bruckmayr, Wolfgang Dorninger und Alex Jöchtl In einem Interview machten sie Angaben über ihre aktuelle EP „Songs for Androids“ und anderen Dingen

 

 

 

 

 


Welche Bedeutung hat euer Bandname? Warum heißt eure Facebook-Page „Love_Wipeout“?

 

Der Name Wipeout war damals auf Facebook schon vergeben, die Band nicht sehr aktiv, eine Facebookseite eher Zeitverschwendung. Aber die wirklichen Fans wollten wissen, wann wir einen der seltenen Gigs spielen oder etwas veröffentlichen. Und diese Liebe bildet sich in Love_Wipeout ab.
(fadi)

 

 

 

 


Wie seid ihr nach eurer Bandpause dazu gekommen, wieder gemeinsam Musik zu machen? Wie lang war diese Auszeit?

 

Die genaue Dauer der Auszeit ist schwer zu bestimmen. Wir spielten allerdings regelmäßig, wenngleich in grossen zeitlichen Intervallen. Da Wolfgang Dorniger zusehends von Theaterarbeiten vereinnahmt und Didi Kern ein gefragter Sessiondrummer wurde, übernahm Didi Bruckmayr das Erarbeiten neuer Musik. Jener ist massgeblich von britischer Bassmusik inspiriert, woraus die stilistische Neuorientierung resultierte. Allerdings bestand jeher das Bestreben Clubmusik mit Popsong Strukturen zu vereinen. Didi Bruckmayr wollte sich nicht völlig wegrationalisieren. Das Resultat ist wie ein Zuhörer unlängst nach einer Clubshow bemerkte, "altmodisch und modern zugleich." Damit können wir 3 älteren Herren jenseits der 50 gut leben. Somit ist auch das dritte, sehr wichtige Bandenmitglied, unser Arrangeur, Mastering- und Soundengineer Alex Jöchtl (der Mann mit den feinen Ohren) introduziert.

 

 

 

 


Welches Selbstverständnis von Musik habt ihr? Wie „dark“ seht ihr euch?

 

Meine Wenigkeit sehe uns nicht als besonders dunkel. Wir agieren aber gerne in den Graubereichen, der Dämmerung. Wo die Konturen verschwimmen, die Dinge nicht immer so sind wie sie scheinen.

 

 

 

 

 

 

 

 (Foto-Credit: Gernot Kienast)

 

 

 


Ist eure EP „Songs for Androids“ eher ein Konzeptalbum? Ist die EP tatsächlich für Androiden gemacht oder ist da Kritik beinhaltet, dass die Menschheit heutzutage etwas androidenhaftes an sich hat? Oder seid ihr die "Androiden am Bass"?


Kein Konzeptalbum, allerdings gezielt produziert und auch textlich auf die sozialpolitischen und technologischen Phänomene der Gegenwart zugeschnitten. Es haftet ihm eine gewisse Künstlichkeit an und beinhaltet eine zumindest unterschwellige Kritik. Neue Phänomene wie KI, Avatare als Virtuelle Bezugspersonen etc., Trendfollower, Data mining etc. spukten durch unsere Gehirne, wobei speziell mich die Frage umtreibt, wann Künstliche Intelligenzen ein eigenes Weltverständnis entwickeln. Gewisse Extreme wie die digitalen Assistentinnen für einsame japanische Männer, autogenerative fake news durch die GRP-2, die menschenähnlichen Androiden eines Philipp K Dick oder Isaac Asimov, sowie die im Film HER dargestellte romantische Liebesbeziehung (eine brisante virtuelle Freundschaft mit realen Implikationen) waren eine Inspiration.

 

 

 

Ist es für die Menschen heutzutage einfacher virtuelle Beziehungen aufzubauen oder anders formuliert fehlt in unserem Zeitalter an der Fähigkeit reale zwischenmenschliche Kontakte zu intensivieren und zu pflegen?


Klarerweise erleichtern soziale Netzwerke virtuelle Kontakte zu anderen Menschen. Diese treten allerdings nicht wirklich in Beziehung zueinander. Vielerlei Faktoren bedingen die Fragmentierung unseres Lebens, zumindest unseres Alltagslebens. Soziale Netzwerke können durchaus verbindend wirken, wenngleich virtuell. Sie werfen imaginäre Netze über die Gesellschaft, wirken strukturierend, auch manipulierend und sagen viel über die Protagonisten aus. Sie sind ein Symptom. Uns interessieren in diesem Zusammenhang gewisse Extreme wie die genannten digitalen Assistentinnen für einsame japanische Männer, Pflegeroboter, GRP-2 etc. Es geht uns auch um die Frage, wann oder wie lange eine virtuelle Freundschaft, das meint auch eine traditionellen Brieffreundschaft, Halt, Vertrauen oder zwischenmenschliche Nähe stiftet. Reicht die Konversation mit einem trainierten Software Agenten aus? Wie lange?

 

 

 

 

Welchen persönlichen Bezug habt ihr zu euren Songs? Wie sieht euer Umgang mit den sozialen Netzwerken aus? Habt ihr auch Angst etwas zu verpassen, wenn ihr nicht ständig online seid oder könnt ihr euch davon freisprechen? Wieviel Kritik am Finanzsystem und der Weltfinanzkrise 2007/2008 steckt in eurer aktuellen EP?


Wir stehen den sozialen Netzwerken mit Misstrauen gegenüber. Wir nützen sie recht sparsam. Game over ist ein Blick auf eine dystopische nahe Zukunft. Die Akteure der Finanzmärkte drehen seit längerem schon wieder am grossen Rad, die toxischen Finanzmarktprodukte sind unter neuem Namen wieder im Einsatz. Die virtuellen Verluste werden auch das nächste Mal direkt auf die realen Wirtschaften durchschlagen, nur dass die Verluste dann zu gross sind, um sie zu sozialisieren. Kein "Too Big to fail", sondern Massenkonkurse.

 

 

 

 

 

 (Foto-Credit: Gernot Kienast)

 

 

 

Wie seid ihr zur Inspiration gekommen Industrial/Techno mit solchen kritischen Texten zu versehen? Allgemein üblich ist so etwas ja nicht gerade.


Wir wurden mit Punk, New wave und Industrial sozialisiert. Musiken mit beachtlichem kritischem Potential. Auf EBM folgten Acid House und Techno. Wir waren sofort in den Clubs und interpretierten die musikalischen Möglichkeiten. Wir sind keine unkritischen, affirmierenden Hedonisten. Party mit Haltung! DIY!

 

 

 

 


Wie sieht bei euch der Songwritingprozeß aus? Wie fügt ihr Musik und Texte zusammen?


Beats und Basslines bilden das Fundament für zahlreiche Varianten einer Track Skizze, die dann in verschieden Richtungen weiterentwickelt oder zu abgelegt wird, wenn sie erste Tests bei Soundchecks oder Shows nicht besteht. Alsdann schreibe ich erste Textzeilen und verdichte bis zu ersten Vokalaufnahmen. Im Studio mache ich zum Entsetzen meiner Kollegen sehr viele unterschiedliche Aufnahmen und mit den KollegenTextkorrekturen, die ich dann am Rechner editiere, prozessiere etc. Mitunter entstehen so wieder neue Varianten oder Ideen, sodass wir wieder Aufnahmen machen. Dann singe ich wieder falsch und wir nehmen wieder viele Spuren auf….

 

 

 

 


Kann man euch auch live erleben? Plant ihr eventuelle Gigs?


Wir spielen in den nächsten Monaten viele Shows. Von den Landeshauptstädten bis zu den Landgemeinden. Wie alles begann, so geht es nun weiter, solange es uns Spass macht. Nächste Show: Noiseappelrecords labelnight, Fluc, 26.9.2019.

 

 

 

 


Wollt ihr zum Schluß noch etwas sagen?


Support Your local scene!

 

Danke für das Interview

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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