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Mit Anthrax / Eisbrecher / Cradle Of Filth und vielen mehr ...
1. – 3. 08.2019

(Credit: Barbara Andres)


Redakteur: Roman Golub


Arsine Tibé ist ein Soloprojekt von Manfred Thomaser. Des weiteren betreibt Manfred noch sein eigenes Projekt The Independent Seasons und ist in der Band !distain aktiv. In einem Interview gab er einen Einblick in seine künstlerische Arbeit bei Arsine Tibé.

 

 

 

Du siehst Arsine Tibé als Projekt aus dem Lounge Noire-Genre. Wie schaffst du es schwarz und dunkel angehauchte Töne in diesem Projekt zu realisieren und dabei gleichzeitig einen eher chilligen Sound zu erzeugen?


Manfred: Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, weil ich beim Komponieren vieles auf mich zukommen lasse. Die Wahl der Instrumente spielt natürlich eine Rolle. Auch meine musikalischen Wurzeln und mein Lebenstempo haben einen Einfluss. Letztlich bin ich in der sehr glücklichen Position zu entscheiden, ob eine für meine Solo-Aktivitäten vorgesehene Komposition bei Arsine Tibé oder The Independent Seasons landet.

 

 

 

 

 

Ist die Musik von Arsine Tibé eher visuell oder abstrakt ausgelegt? Oder anders gefragt: Verbindest du mit den einzelnen Tracks irgendwelche sinnlichen Vorstellungen oder gibt es auch Songs, die nur mit der Musik für sich stehen?


Manfred: Arsine Tibé mag hier und da abstrakt erscheinen, ich betrachte meine Songs aber von der emotionalen und durchaus auch filmischen Seite. Das heißt, die Musik weckt meine Phantasie im positiven Sinne. Komponieren hat einen therapeutischen Aspekt, und letztlich kann ich nur meinen eigenen Vorstellungen genügen.

 

 

 

 

 

Steckt hinter jeder einzelnen Veröffentlichung von Arsine Tibé ein bestimmtes Konzept? Bist du dann eher konzeptionell aufgestellt?


Manfred: Das variiert. "Istanbul" (2015) und die "An Ambience Of Dying" Trilogie (2016 - 2020) folgten einer jeweils konkreten Idee. "Istanbul" habe ich als Liebeserklärung gedacht, ohne vorab zu wissen, wie sich die Songs letztlich entwickeln würden. Hier folgte die Wahl der Instrumente meiner ursprünglichen Idee. Die Trilogie wiederum entstand im Gedenken an meine verstorbenen Eltern. Vom ersten hin zum dritten Teil entwickelten sich die Songs zunehmend mehr und mehr in Richtung sphärische Landschaften. Das Album "Good Evening, The Mountain Said" aus dem Jahr 2011 entstand im Gegensatz zu den genannten Longplayern ohne eine konzeptionelle Idee. Ich habe damals aktuelle Stücke zusammengeführt. Erst mit den Jahren kam der Wunsch auf, die Alben in sich geschlossener und konzeptioneller heraus zu bringen.

 

 

 

 

 

Woher holst du dir die Inspiration für die Instrumentalmusik? Wie entsteht bei dir ein musikalisches Motiv? Welche Gedanken stecken hinter einzelnen Releases?


Manfred: Als Inspiration dient sicherlich die Instrumentalmusik anderer Musiker. Andreas Vollenweiders erste beiden Alben möchte ich als Beispiele nennen. Auch Thievery Corporation haben sehr viele wunderbare Instrumentals komponiert. Hinzu kommt, dass ich im Berufsleben im wahrsten Sinne des Wortes von Sprache umgeben bin. Und hierzu bietet Musik ohne Worte einen guten Gegenpol. Die Songs entstehen aus Melodien heraus, die mir in den Sinn kommen oder auch durch das Experimentieren/Anhören mit/von Klängen und Sounds. Es gibt so viele Synthesizer, so viele schöne Klänge, da fällt einem fast immer etwas ein. Die Gedanken hinter den einzelnen Releases sind mit der Idee des Lounge Noire verwurzelt: melancholische Musik zum Entspannen.
Zu den einzelnen Releases möchte ich zwei Beispiele nennen: "Horizon" aus dem Album "An Ambience Of Dying III" steht für einen sehr weiten Weg, den man zurückgelegt hat. Eine kräftezehrende Reise. Die Erschöpfung ist spürbar. Dennoch will man weiter. Der Horizont ist das Ziel. Und der Horizont kennt keine Grenzen. Wer nicht mehr kann, geht in Gedanken weiter. "Skyline - Deep And Dead" zeigt einen Menschen, der die Orientierung im Leben verloren hat. Die Karriereleiter schien endlos, der Erfolg war extrem... und dann kommt der Absturz, weil man all seine Hoffnungen und Ideale dem Geld/Ruhm opferte. Dies sind Gedanken, die im Anschluss an eine Komposition, einen Songtext entstehen und reifen.

 

 

 

 

 

Wie entscheidest du wie bei gesanglichen Tracks die Vocals zur Instrumentierung passen?


Manfred: Im besten Fall höre ich die Stimme der Sängerin/des Sängers im Kopf, während ich am Instrumental sitze.

 

 

 

 

(Credit: Barbara Andres)

 

 

 

 

 

Wie kam es zur Veröffentlichungsreihe - (previously unreleased) archive songs? Haben die bisher unveröffentlichten Songs nirgendwo hineingepasst?


Manfred: Das trifft es genau. Manchmal will ein Song nicht zu den anderen passen, die zeitnah entstehen. Oder ein Song wird nicht rechtzeitig fertig. Es kommt auch vor, dass ich über Jahre hinweg immer wieder an einer Komposition sitze... Im Frühjahr 2020 sorgte "Covid19" für eine mehrmonatige Zeit ohne Aufträge meiner Kunden, so dass ich dazu kam, einen Blick ins Archiv zu werfen. Die Songs selbst hatte ich nicht vergessen, aber eben auch nicht veröffentlicht. Die Zusammenstellung fiel mir dann relativ leicht. Ich denke, es lag schlichtweg daran, dass ich mehr Zeit und Ruhe als sonst üblich hatte.

 

 

 

 

 

Gibt es Zusammenhänge der verschiedenen Tracks untereinander auf - (previously unreleased) archive songs part I und II?


Manfred: Nicht wirklich. Die von Aidan Casserly gesungenen "Aerial" und "We Are Tomorrow" entstanden ursprünglich z.B. 2004 bzw. 2014. Jahre später erst kam Aidan hinzu. Der Song "The International Trust Company" ist gedanklich natürlich mit "The Trust Company" vom Album "Relax Deluxe - Lounge Noire III" verbunden.

 

 

 

 

 

Die Songs „Gate No7“ und „Gun License“ sind sehr gegensätzlich. Der erste Titel ist sehr ruhig ausgelegt, der letztere etwas technoider. Kannst du bitte deine Herangehensweise bei solch unterschiedlichen Songs beschreiben? Wo liegt da jeweils der Hauptschwerpunkt bei der Produktion? Wo finden sich Unterschiede bei der Entstehung?


Manfred: Die Herangehensweise basiert bei beiden Stücken auf dem Prinzip des "mal sehen, was mir heute einfällt". Daraus entwickelt sich im besten Fall eine Richtung, die ich einschlage und verfolge. Natürlich gibt es auch Songs, die an der nächsten Kreuzung abbiegen. Vielleicht liegt es mit daran, dass ich musikalisch mit sehr unterschiedlichen Stilarten aufwuchs. So oder so lassen sich meine Kompositionen im vorhinein nicht planen. D.h. ich kann mir zwar vornehmen, "heute einen Elektro-Pop-Song zu beginnen", am Ende des Tages liegt dann aber eventuell die Idee für eine Gitarren-Ballade vor.

 

 

 

 

 

Wie ist der Entschluss zur Gründung von Arsine Tibé gefallen? Was ist der Grundgedanke hinter diesem Projekt?


Manfred: Arsine Tibé entstand aus dem Wunsch heraus, abseits "meiner" jeweiligen Bands Songs zu komponieren und Platz für neue/andere Ideen zu schaffen. Ein Solo-Projekt kennt bezüglich Komposition und Produktion von Musik keine Kompromisse. Das ist ein sehr großer Vorteil. Eine Band bietet wiederum den Vorteil, unterschiedliche persönliche Ideen in ein gemeinsames Werk einzubringen. Grundsätzlich brauche ich Platz um mich herum. Ein Gedanke: Arsine Tibé soll entspannen, aber nicht die Sinne vernebeln.

 

 

 

 

 

Welche Bedeutung hat der Name Arsine Tibé? Wie ist es zu dieser Bezeichnung gekommen?


Manfred: Arsine Tibé ist der Held eines Romans, den ich niemals schreiben werde.

 

 

 

 

 

Hast du musikalische Leitbilder bei der Instrumentalmusik? Präferierst du irgendwelche Interpreten dieser Musikrichtung?


Manfred: Andreas Vollenweider und Thievery Corporation habe ich bereits erwähnt. Desweiteren sind da die ersten beiden Alben von Projekt Erde, "Rubycon" von Tangerine Dream, die Instrumentals von Front Line Assembly und Delerium, "Youth" von Spartak, Kraftwerk natürlich aber auch "The Composer Of Desafinado Plays" von Antonio Carlos Jobim und immer und überall the stranglers.

 

 

 

 


Danke für das Interview

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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