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Redakteur: Roman Golub

Mit Marina Schreckling (Darkerkant)

 

 

 

 

 

Die Darkerkant findet dieses Jahr am 12.10.2018 und am 13.10.2018 in Hamburg im Cap San Diego statt. Es ist ein Event mit Literatur, bildender Kunst und Musik. Die Kuratorin Marina Schreckling äußert sich im Interview über die Darkerkant.

 

 

Kannst du einige Worte zu deiner Person sagen? Was fasziniert dich an der Darkerkant? Seit wann gibt es dieses Event? Wie aufwändig ist es, eine solche Veranstaltung zu organisieren?

Dann stell ich mich gerne vor, mein Name ist Marina Schreckling, ich komme selber aus der bildenden Kunst und male. Der Fokus meiner Arbeiten ist auf dem Menschen gerichtet und den Abgründen der menschlichen Seele, nicht unbedingt mit dem verfeinerten Ästhetizismus, der sich bei Dark Art abbildet, eher mit ironischen Anspielungen. Aber Dark Art ist ein Genre, das mich persönlich sehr anspricht.

 

 

 

Mich selbst fasziniert an der Darkerkant die Zusammenkunft von Künstlern, die sich darauf verstehen, die dunkelsten Gedanken auszudrücken, die provozieren, deren Werke genauso erzählerisch poetisch wie bösartig sind. Darüber hinaus ist es für mich eine sehr spannende und interessante Erfahrung mit einer Vielzahl von unterschiedlichen und großartigen Künstlern zusammen zu arbeiten.

Darkerkant fand erstmalig 2017 statt und jährt sich jetzt zum zweiten Mal. Hinter die Kulissen geschaut, ist eine Veranstaltung zu organisieren tatsächlich aufwendiger als es scheint. Es geht schon zu Anfang des Jahres los, Musiker und bildende Künstler ins „Boot“ zu holen und über eine öffentliche Ausschreibung die Autoren zu finden. Werbung muss platziert werden, Einladungen verschickt ect. Es ist immer etwas zu tun, bis Ende August die heiße Phase beginnt und die ankommenden Werke für die Ausstellung vorbereitet werden müssen.

 

 

 

Kannst du kurz das Konzept von Darkerkant beschreiben? Wie bist du darauf gekommen, so ein Event zu organisieren? Wie bist du auf den Gedanken gekommen, Literatur, bildende Kunst und Musik zu verbinden? Haben diese drei Elemente etwas Verbindendes? Hast du vorher schon ähnliche Veranstaltungen als Kuratorin geleitet?

Dazu muss ich etwas ausholen. Die Epoche der Romantik vom Ende des 18. bis ins späte 19. Jahrhundert fand im Schaurigen, im Fantastischen, im dargestellten Unbewussten, der Individualität, Motive, die die Grenzen des Verstandes überschritten und einen Kontrapunkt gegen das bloße Nützlichkeitsdenken der Industrialisierung und vermeintlich aufgeklärten Moderne bildeten. Heute in Zeiten der Digitalisierung, Statistiken, Algorithmen, Rankings, des auf die Summe seiner Daten reduzierten Menschen, scheint mir die Romantik sehr aktuell, zur Neuaneignung unseres Welt- und Selbstverständnisses zu sein. Konsequent weitergeführt aus meiner Sicht in der Dark Art, die andere, dunkle, uns fremde Seiten beleuchtet.

Die simple Idee, auf einem Schiff eine Ausstellung machen zu wollen, entwickelte eine eigene Dynamik, als die Cap San Diego als Ausstellungsort gefunden war. Sie selbst erwies sich als inspirierend und es war klar, dass im Inneren des Schiffsbauches nicht irgendeine, sondern eine Dark Art Ausstellung, die einzige zur Magie des Schiffes passende war.

Noch einmal zurückblickend, wird als Romantik eine Epoche der Kunstgeschichte bezeichnet, die sich in der Literatur, gefolgt von der bildenden Kunst und in der Musik niederschlug. Sich als Grenzüberschreitend verstand, bis hin zur Verschmelzung und Niederlegung der Grenzen zwischen den Künsten und zur Sakralisierung des Werks. Angelehnt an einen (schwarz) – romantischen Kunstsalon, wird diese „romantische“ Idee aufgegriffen und die Kunstformen stehen auf der Darkerkant gleichberechtigt nebeneinander.

Als Kuratorin habe ich mich selbst nie gesehen, obgleich ich in dieser Funktion eine erste Ausstellung 2016 in Hamburg, in der Gallery Mytoro mit dem Titel „Kommunikation“ organisierte.

 

 

 

 

 

 

 

Welche Bedeutung hat der Name Darkerkant?

Es ist ein Wortspiel aus Dark (Art) und Waterkant.

 

 

 

Wie rekrutierst du die Künstler? Nach welchen Kriterien gehst du da vor?

Bei den bildenden Künstlern sind es diejenigen, deren Arbeiten eine dunkle Stimmung ausdrücken und mich persönlich besonders faszinierten, sei es bei Ausstellungen, an denen ich selbst beteiligt war oder die ich besuchte, sei es durch soziale Medien. Mit diesen Künstlern versuch ich in Kontakt zu kommen, um sie einzuladen. So verhält es sich auch mit den beteiligten Bands. Für die Autoren gibt es eine öffentliche Ausschreibung für die Genres Mystery Thriller, Horror und Fantasy.

 

 

 

Kannst du folgenden Satz aus der Infoschrift kurz erörtern? „Einsamkeit, Resignation, Tod, das Surreale bis hin zur Faszination des Bösen wird in pittoresker Manier übersteigert dargestellt, so dass unweigerlich beim Betrachter der Eindruck vom schaurig Schönen bleibt.

Einsamkeit, Resignation, Tod, das Böse, alles Begriffe, die nicht für die angenehmen Aspekte des Seins stehen, doch die Totalität der ästhetischen Form, lässt den Betrachter Schönheit erkennen, selbst da, wo sie die Darstellung frustrierendster Not gelingend in Szene setzt. Je trauriger und schmerzlicher die Schönheit sich offenbart; umso schaurig – schöner wird das Werk empfunden.

 

 

 

Im Infomaterial steht „Dark Art ist für ihr Empfinden eine Fortführung der Romantik, genauer gesagt, der dunklen Seite der Romantik.“ Kannst du diese Aussage ein wenig ausführen?

Ich denke, dies lässt sich am besten im direkten Vergleich einiger Merkmale der Romantik mit den Arbeiten der diesjährigen Künstler der Darkerkant anschaulich ausführen. Kennzeichnend für das romantische Weltbild war es u.a., die innersten Beweggründe, die Seinserfahrung von ihrer Bindung an eine zeitlich begrenzte Epoche zu lösen. Diese Aufhebung realer Zeitlichkeit findet man auch in den Arbeiten des Dark Art Künstlers Roberto Segate. Seine Arbeiten sind selten makellos. Sie sind rauh, einschließlich schmutziger, ungeordneter Elemente und Texturen. Dadurch werden sie in Bezug auf Zeit mehrdeutig und mystisch.

Oder die Tendenz zur Entmaterialisierung, Entrückung, daraus folgend die Sublimierung, Spiritualisierung wie „Baphomet“ aus der gnostischen Bilderserie des amerikanischen Fotografen DVS. Eine experimentelle Verschmelzung von persönlichen gnostischen Idealen und weiblicher Sinnlichkeit, eine Suche nach vergangenem spirituellem Wissen, das eine Vielfalt von Theologien und Ideologien verschmelzen lässt und umfassen kann.

Die Nachtsymbolik der Romantik findet sich auch in den Werken von Jaya Suberg. Sie drückt in poetisch – kombinierten Bildern aus, dass mit dem Schwinden des Lichts, der Sehkraft, die Aufmerksamkeit in unser Inneres gelenkt wird. Es folgt die Angst vor der gefürchteten Vanitas.

Ein weiteres wiederkehrendes Merkmal, der Einbruch des Irrationalen wie in den Fotos von Yell Saccani.

Ferner sind folgende Kriterien zu nennen, Emphase und Gebrochenheit, Tendenz zur Subjektivierung jeglicher Erfahrung, so dass jede künstlerische Aussage als Reflex eines Erlebnisses auf das Subjekt anmutet, man kann sagen, neu interpretiert von Laurent Fievré, dessen expressive Werke provozieren. Die Abwesenheit ist das primäre Gefühl, das sich in seinen Arbeiten niederschlägt. Indem er seine Charaktere amputiert und einiger ihrer Sinne beraubt, drückt er die Essenz des Menschen durch die Geste und den Ausdruck seiner verstümmelten Charaktere aus, so gelingt es ihm, erloschene Bilder wiederzubeleben und unaussprechliche Worte auszusprechen.

 

 

 

 

 

 

 

Was kommt beim Publikum am besten an: Literatur, bildende Kunst oder Musik? Oder haben alle Bereiche die gleiche Resonanz?

Bei der ersten Darkerkant hatten die Bereiche die gleiche Resonanz. Wie es diesmal sein wird!?! Das kann ich dann am 14.10. beantworten.

 

 

 

 

Warum lohnt es sich auf die Darkerkant zu gehen?

Es sind großartige nationale und internationale bildende Künstler und Bands wie ObereTotpunkt und Musiker von Birdeatsbaby mit einer Akustik Show an Bord, gute Autoren, gute Gründe.

 

 

 

Möchtest du zum Schluß etwas sagen?

Ich bedanke mich recht herzlich für das Interview und würde mich sehr freuen, den einen oder anderen Leser auf der Darkerkant anzutreffen…

 

 

 

Danke für das Interview

 

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