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Mit Anthrax / Eisbrecher / Cradle Of Filth und vielen mehr ...
1. – 3. 08.2019

(Foto: Barbara Andres)


 

 

 

Mit Manfred Thomaser und Alexander Braun von !distain

Redakteur: Roman Golub

 

 

 

!distain sind Manfred Thomaser und Alexander Braun. In einem Interview beantworteten sie u.a. Fragen zu ihrem aktuellen Album „Farewell to the past“.

 

 


Wie ist euer aktuelles Album „Farewell to the Past“ entstanden? Wie sah der Produktionsprozess aus?


Manfred: Wir haben über einen Zeitraum von ca. 9 Monaten gemeinsam am Album gearbeitet. Zuvor und natürlich auch während dieser neun Monate gab es Phasen, in denen jeder für sich etwas vorbereitet hat. Anschließend entstand der größte Teil der Single-B-Seiten.

 

Alexander: Ja genau und als Besonderheit ist vielleicht auch noch zu erwähnen, dass wir uns in dieser Zeit einmal für komplette zwei Wochen im Studio „eingeschlossen“ haben und von morgens bis abends gesungen haben. Die meisten Gesangsaufnahmen sind dabei entstanden!

 

 

 

 


Wie seid ihr darauf gekommen euer neues Album „Farewell to the Past“ zu nennen? Wieviel Vergangenheitsbewältigung steckt dahinter?


Manfred: Wir haben nach Ricks Ausstieg Ende 2015 viel Zeit benötigt, um die Band zur Ruhe zu bringen. Ich denke, bei Alexander und mir hatte sich einiges aufgestaut. Es war gut, die Atmosphäre abkühlen zu lassen, bevor wir erstmals über ein neues Album sprachen. Während der ersten Treffen nach längerer Zeit spielte Musik kaum eine Rolle. Dieser Abstand half uns, die jüngere Vergangenheit mit der Zeit gemeinsam aufzuarbeiten, und soweit möglich auch hinter uns zu lassen. Daraus ergab sich für den Song "Letter To Myself" die Textzeile "Farewell to the Past".

 

Alexander: Zuerst war die Textzeile da, später kam dann die Idee, aus genannten Gründen das Album so zu nennen. Die Entscheidung für diesen Albumtitel ist dann sehr schnell gefallen.

 

 

 


Warum sind einige Lieder auf dem Album bilingual in deutsch und englisch konzipiert?


Manfred: Da müssen wir bis ins Jahr 1992 zurück reisen.

 

Alexander: Ich behaupte ja immer noch, dass ich mit „Confession“ einer der ersten war, der das damals in unsere Szene gebracht hat (mal von „Sparrows and Nightingales“ abgesehen). Der nächste Schritt war jetzt, dass sich Deutsch und Englisch auch noch reimt.... so geschehen in „Maid of Freedom“. Ich finde dieses Spiel mit den Sprachen sehr reizvoll und einzigartig...

 

 

 


Macht es von der Stimmung beim Texte schreiben her einen Unterschied, ob ihr SynthPopBoy oder Letter to myself komponiert? Diese beiden Songs sind ja recht unterschiedlich aufgebaut.


Manfred: Die Texte entstehen zumeist getrennt von einem bestimmten Instrumental/ Song. Es gibt Ausnahmen wie z.B. "Hole In The Moon" oder "My God", die für den jeweiligen Song geschrieben wurden, für gewöhnlich aber schreiben wir unsere Texte, wann immer sie uns einfallen. Zu einem späteren Zeitpunkt schauen wir dann, welcher Text zu welcher Musik passt. Wenn ein Text direkt zum Instrumental geschrieben wird, dann beeinflusst mich die Atmosphäre des Stücks auf jeden Fall.


Alexander: Insofern würde ich Deine Frage mit nein beantworten, denn auch bei mir sind es zwei voneinander losgelöste Prozesse. Meine Texte schreibe ich meist nicht im Studio, sondern im Zug, am Strand oder auf dem Sofa...

 

 

(Foto: Barbara Andres)

 

 

 


Wie geht ihr generell beim Songwriting vor? Wie viel Anteil haben bei euren Songs persönliche Erfahrungen?


Alexander: Für mich stehen meist die Chords , also die Harmonien, am Anfang. Die müssen emotional berühren, der Rest wird dann darum herum gebaut. Am Ende kommen dann die Vocals dazu. Ich schätze, dass meine persönlichen Erfahrungen einen großen Anteil haben, ob bewusst oder unbewusst. Denn diese machen mich ja aus und wirken sich so natürlich auf meine Kreativität aus.

 

 

 


Identifiziert ihr euch mit dem Musikgeschmack, um dem es in SynthPopBoy“ geht?


Alexander: Ja natürlich mag ich auch härtere Töne. Für mich geht es in dem Song mehr darum, auch dazu zu stehen, melodiösere Musik zu mögen. Und die meisten stehen auch auf Melodien, sie haben nur Angst, dann uncool zu sein. (lacht)

 

Manfred: Ich bin ebenso mit SynthPop als auch mit EBM oder Industrial aufgewachsen. Warum sollte ich nicht dazu stehen?

 

 

 


Was bedeutet euch der Platz 1 in den DAC- Charts von eurem Song „SynthPopBoy“?


Manfred: Es ist eine Bestätigung für die jahrelange sehr intensive Arbeit.

 

 

 


Welche wahre Begebenheit verbirgt sich hinter dem Song „The Guest House“? Was hat es mit dem Jahr 1679 im Song auf sich?

Manfred: 1679 ist ein Rätsel. Die Auflösung bleibt an dieser Stelle aber im Verborgenen. Der Songtext entstand, um einen Mann aus meinem Hirn zu verjagen, der sich nach dem Lesen eines Artikels breit gemacht hatte. Es geht dabei um Herman Webster Mudgett, alias Henry Howard Holmes, der um 1890 herum in Chicago zahlreiche Mieter seines Hauses bzw. Gäste des später in ein Hotel umgebauten Gebäudes ermordete. Er nutzte das Vertrauen in ihn als Vermieter bzw. Hotelier niederträchtig aus. Auf dieser geschichtlichen Grundlage entstand ein Songtext, der reale Geschehnisse und Fiktion miteinander vermischt. Der Mörder in "The Guest-House" lebt z.B. über mehrere Jahrhunderte hinweg.

 

 

 


Was macht den Unterschied aus seit dem ihr nur noch zu zweit seid im Vergleich zu vorher mit mehr Bandmitgliedern? Was hat sich bei euch seit dem Weggang von Rick Prokein für euch verändert?


Alexander: Also seit dem Weggang von Oliver und Sebastian im Jahr 2003 sind Manfred und ich die (gleichermaßen) kreativen Köpfe von !distain. Das hat sich bis heute nicht geändert. Seit Rick nicht mehr dabei ist, hat sich unsere Arbeitsweise nicht viel verändert. Wir hatten immer versucht, seine Qualitäten wie z.B. seine Sprechstimme mit einzubeziehen, was jetzt natürlich wegfällt. Er war/ist ja eher der „poppige“ von uns, mit ihm ging sicher auch etwas Leichtigkeit ...

 

 

 


Welches von den acht bisher erschienenen Alben und welches Lied ist euer Favorit? Und warum?


Alexander: Das ist ein bisschen so, als wenn du Eltern fragst, welches Kind sie am liebsten haben. Natürlich hab´ ich sie (die Songs) alle gleich lieb (lacht). Naja ok, unsere emotionalen Balladen wie z.B „Autumn Leaves“ oder „Letter to Myself „mag ich schon besonders und natürlich finde ich immer das aktuelle Album am besten :-)

 

Manfred: Ich favorisiere zwei Alben: "Raise The Level" und "Farewell To The Past", weil beide mein Gefühl für Geschichten, Atmosphäre, Melodien und Klang am besten wiedergeben. Lieblingssongs gibt es auf jedem Album. Zum Beispiel "Autumn Leaves", "The City", "Lighthouse Over The Horizon", "Mandragore", "Mein Weg", "Why (Bootlicking Hypocrites)", "A Million Engines", "Fragmente", "The Guest-House" und "Wake Me Up". Zwischen all diesen Songs gibt es einen persönlichen roten Faden.

 

 

 


Was ist eure Botschaft vom Track „Where in this world (feat. Elektrostaub)“, der auf eurem Album „Rainbow Skies at Night“ erschienen ist? Ist dieser Song eurer Meinung noch inhaltlich aktuell?


Manfred: Der Song wirft die Frage auf, ob das Leben ohne Geheimdienste nicht sicherer wäre. Wie sichert sich ein Geheimdienst z.B. seine Existenz? Man sorgt dafür, dass die Bevölkerung andere Nationen/ Gruppierungen/ Menschen für eine Bedrohung hält. Es gab und gibt natürlich reale Bedrohungen. Diese können aber auch konstruiert werden. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass die Wahrheit gerne verbogen wird, wenn Interessen durchgesetzt werden sollen. Geheimdienste sind da keine Ausnahme. Ja, der Song ist auch weiterhin aktuell.

 

 

 


Welches Selbstverständnis von Musik habt ihr?


Alexander: Musik ist die Sprache der Seele. Ein wichtiger Teil in meinem Leben.

 

 

 


Welche Bedeutung hat euer Bandname?


Alexander: Es ist ein Kunstwort: eine Mischung aus distant und sustain.

 

 

 


Wann kann man euch live erleben? Plant ihr eine Tour oder ähnliches?


Manfred: Aktuell gibt es noch keine Termine zu vermelden. Das Thema Konzerte ist leider kein Selbstläufer für uns.

 

 

 


Wollt ihr zum Schluß noch etwas sagen?


Alexander: Dank an alle, die unserer Musik treu bleiben und uns auf unserem Weg begleiten.


Danke für das Interview

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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