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1. – 3. 08.2019

Tonchirurgie - Interaktive Musikkultur_Teil 4 Symbole der Angst


 

Redakteur: Roman Golub

2019 war für Tonchirurgie das Jahr der monatlichen Realisation von Musikvideoprojekten. Wir werden in diesem Rückblick die Hintergründe erfahren und Einblick in die Arbeit von Tonchirurgie bekommen. Dieses ist der vierte Teil einer sechsteiligen Interviewserie.

 

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Worum geht es Tonchirurgie beim Thema „Symbole der Angst“?


Frau Dr. Glühfinger: Musik kann der Ausdruck menschlicher Befindlichkeiten sein. Die Bindung tiefer menschliche Erfahrungen an die Musik ist ein sehr ursprüngliches Bedürfnis. Während es bei „Falling“ um das allgemeine Lebensgefühl einer abwärts fallenden Bewegung handelt, geht es bei „Einblick“ um ein konkretes Thema.

 

Prof. Dr. Morpheus: Ängste, gerade auch in Zeiten von Corona, begleiten uns durchs Leben. Themen in der Musik sind gut, wenn sie wertig sind. Also Themen der Philosophie, des Wissens, des Lebensgefühls und der Wahrheit. Es geht uns dabei nicht um eine Behandlung der Themen im Sinne einer Antwortfähigkeit durch Musik. Vielmehr wollen wir Angebote für neuen Sehens und Hörens und ggf. Empfindens und Denkens machen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer war an der Produktion beteiligt?


Frau Dr. Glühfinger: Wir konnten die befreundete Band Cabaret Bizarre für dieses Projekt begeistern. Bereits zuvor hatten wir auch mehrere Live-Kooperationen, nun war es Zeit für ein Video!

 

 

 

 

Wie hat Cabaret Bizarre die Kooperation erlebt?


Thomas Zdunek (Ehemaliger Co-Producer Cabaret Bizarre): An einem Samstagnachmittag, hatte uns die Band Tonchirurgie eingeladen um Gesang und Video zum Stück Falling mit ihnen aufzunehmen. Die bereits komponierte Melodie von Tonchirurgie, bildete die künstlerische Grundlage, um eine Symbiose aus elektronischer Musik gepaart mit der melancholischen und ausdrucksstarken Stimme von Frank Heiner umzusetzen. Die visuelle Gestaltung übernahm hierbei Frau Dr. Glühfinger, die mit ihrem Auge für harmonische traumhafte und zum Teil surrealistische Sequenzen das Gefühl der Produktion und der Stimmung vor Ort gekonnt umsetzte.


Da es musikalisch einige Schnittmengen beider Bands gibt, die aus der Liebe zur elektronisch und experimentellen Musik resultieren, war diese Zusammenarbeit für Cabaret Bizarre eine fruchtbare Bereicherung. Vielleicht lässt sich die gesamte Atmosphäre der Zusammenarbeit mit den Worten von Gustav Mahler wiedergeben: „Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten!“

 

 

 

 


Die Regenszenen dominieren das Video, was führte zu dieser Symbolik?


Prof. Dr. Morpheus: Regen kann ein Tränensymbol sein, steht für Traurigkeit. Das Grau eines regnerischen Tages kann melancholisch bis bedrohlich wirken. Tatsächlich fokussieren unsere Bilder mehr die Bewegung im Detail. Blätter werden getroffen und verbiegen sich. Der Wasserstrom reißt alles mit. Diese Optik empfanden wir als passend für den Text, der beschreibt, wie das Phänomen des „Fallens als Lebensgefühl“ von Kindheit an, existiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Machart dieses Videos unterscheidet sich sehr von anderen Tonchirurgie-Produktionen, warum?


Frau Dr. Glühfinger: „Einblick“ befindet sich auch in unserer YouTube-Kanal-Kategorie „Humor“. Gerade, weil das Thema Sorgen macht, entschieden wir uns für eine Darstellung, die puppenhaft, comicmäßig und kindlich wirkt.

 

 

 

Worauf spielt „Einblick“ an?


Prof. Dr. Morpheus: Der Verlust von Privatsphäre durch die digitale Revolution, Kontrolle durch Transparenzmachung von Personen, Gedankenkontrolle, Berechnung und Voraussagbarkeit menschlichen Verhaltens, … Diktatur war gestern, die technische Beherrschung des Menschen ist die Gegenwart in fortschreitendem Maß.

 

 

 

 


Was deutet die Handlung im Video an?


Frau Dr. Glühfinger: Insgesamt handelt es sich dabei um eine Überzeichnung. Wir zeigen die „blutige“ Öffnung eines Kopfes, um das Gehirn (symbolisiert durch elektronische Platine) zu untersuchen. Hier wird schon eine Andeutung klar, der Mensch ist kein digitales Wesen und das Gehirn auch nicht. Im OP-Team operiert ein Polizist, am Ende Achselzucken – ist der Mensch doch kein berechenbarer Algorithmus?

 

 

 

 

Soll die digitale Revolution gestoppt werden?

 

Prof. Dr. Morpheus: Nein, es geht mehr um die Qualität der Veränderungen. Wir wünschen uns einen modifizierten und kritischen Umgang mit der neuen Technik. Klar, wir werden mit den Vorteilen einer Technik gefangen und im nächsten Moment damit datenkontrolliert. Es ist eine Abwägung, wie weit wir aus der Komfortzone bereit sind auszusteigen, um Nachteile in diesem Sinn zu verhindern. Und sehr schwere Fragen schließen sich an. Kann ich ohne Mobiltelefon leben? Ohne Alexa? Ohne Navigationsgerät? Nun kommen die Roboter ins Haus und putzen und scannen die Räume ….

 

 

Frau Dr. Glühfinger: Liebes BBU und lieber Roman, vielen Dank für dieses Interview und schallige Grüße an alle vom Team Tonchirurgie!

 

 

 

 

 

 

 



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