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"Ein vedammt gutes Album"



Band: Roterfeld
Titel: Hamlet at Sunset
Genre: Alternative Rock / Dark Rock / Pop / Gothic Rock / Pop-Rock
Label: True Artist Records (LC 83700)
VÖ: 04.05.2018
Geschrieben von midnight-ivy
Ausgabe Juli

 

 

 

 

 

Wenn eine Band ein ausgesprochen erfolgreiches Debütalbum produziert und man dann von ihr über Jahre nichts mehr hört, heißt das meist, dass es leider eine Eintagsfliege war. Roterfeld jedoch sind der Beweis dafür, dass sich das lange Warten manchmal auch lohnen kann.

 

2011 erschien das erste Album der österreichischen Band um Frontmann Aaron Roterfeld. „Blood Diamond Romance“ landete damals innerhalb kürzester Zeit auf Platz zwei der deutschen Clubcharts. Und dann war sieben Jahre „Sendepause“. Erst Anfang Mai diesen Jahres erschien mit „Hamlet at Sunset“ das zweite Album. Und man durfte gespannt sein, ob die Band an ihren Anfangserfolg würde anknüpfen können.

 

Der Titel wurde mit Bedacht gewählt, denn Shakespeares 400. Todestag fiel in die Entstehungszeit des Albums und Aaron Roterfeld sah Parallelen zu dessen tragischem Helden: „Ähnlich wie Hamlet hat auch das Album einen vielschichtigen Charakter, der nicht leicht zu ergründen ist.“ Diese Vielschichtigkeit zeigt sich schon beim ersten Anhören nicht nur in der Auswahl unterschiedlichster Themen, sondern auch darin, dass die Songs stilistisch einfach nicht in eine einzige Schublade zu packen sind. Das ist erstmal ein wenig verwirrend, doch der Sänger selbst meint dazu lakonisch: „Ich finde es langweilig, ein ganzes Album im gleichen Stil herunter zu rattern.“

 

Wer bereit ist, sich auf diese Vorgabe einzulassen, und Musik mag, die streckenweise Ähnlichkeiten z.B. mit Mono Inc. aufweist, wird es nicht bereuen. Das Album ist abwechslungsreich, mal fetzig, mal episch, mal ergreifend, mal witzig, sowie im positiven Sinne durchaus mainstreamfähig. Und auch nach mehrmaligem Anhören fallen einem immer wieder neue Details auf.

 

Laut und krachend kommt der Opener „No Friend Of Mine“ daher, der Roterfeld stimmlich einiges abverlangt. Dem folgt „Bring Your Own Star To Life“, ein Song, der bereits im März als Vorab-Single veröffentlicht worden war. Er ist etwas ruhiger, aber mit vielen Variationen und einem eingängigen Refrain, der sich auch zum Abrocken eignet. „I Want More“ beginnt eher ruhig und lässt Aaron Roterfelds tolle Stimme sehr gut zur Geltung kommen. Etwas pathetisch, um nicht zu sagen kitschig, wirkt hingegen der einzige deutsche Song, „Flieg“, der für mich das schwächste Stück ist. Was aber nicht viel heißen soll, denn auch das schwächste Stück eines sehr guten Albums ist in der Regel ja noch irgendwie gut. „Black Blood“ ist eindeutig der Tanzhit der Scheibe. „King Of This Land“ ist für mich eines der Highlights, ein düsterer Song mit Ohrwurmpotenzial, fast schon eine Ballade, dessen Pathos aber durch harte Riffs immer wieder angenehm durchbrochen wird. „Sea Of Stones“ sollte man sich in Ruhe anhören, denn es ist das lyrischste Stück.

 

„Father And Son“ ist mit fast 10 Minuten Spieldauer der längste Song. Und er ist sehr viel mehr als das. Er erzählt eine Geschichte, die musikalisch untermalt ist. Vater und Sohn müssen vor dem Krieg aus ihrer Heimat fliehen. Ein brandaktuelles Thema, bei dem die Gefahr groß ist, dass eine künstlerische Umsetzung zu pathetisch oder zu reißerisch wird. Roterfeld umschifft diese Klippen jedoch grandios, indem er nur aus dem Blickwinkel der beiden erzählt: der Sohn, der noch nicht wirklich versteht, und der Vater, der nur zu gut versteht. Keine Anklage, kein Aktionismus, aber eine Geschichte, die einem das Herz zerreißt und die mir noch immer einen Schauer über den Rücken jagt.

 

An ein solches Werk anzuschließen ist natürlich nicht einfach. Roterfeld gelingt das jedoch mit „Great New Life (Reborn)“ erstaunlich gut. Und zu guter Letzt wird man mit dem humorigen Liebeslied „You Are The One I Would Spend All My Money On“ endgültig wieder aus dem Tal der Tränen herausgeholt und kann sich ein fröhliches Grinsen nicht mehr verkneifen.

 

Eine solche Bandbreite, sowohl musikalisch als auch inhaltlich, und das auch noch in solcher Qualität findet man selten. Von mir gibt es daher für das Album 10 von 10 Punkten.

 

 

 

 

 

 

 

 

Anspieltipps:
Father And Son
King Of This Land

 

Tracklist:
1. No Friend Of Mine
2. Bring Your Own Star To Life
3. I Want More
4. Flieg
5. Black Blood
6. King Of This Land
7. Sea Of Stones
8. Father And Son
9. Great New Life (Reborn)
10. You Are The One I’d Spend All My Money On

 

 

 

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